Tanja F., Berufskraftfahrerin

Alter bei Ausbildungsabschluss 41 Jahre
Region Pongau

FiT Ausbildung Berufskraftfahrerin Güterverkehr
Ausbildungsstätte/Firma Kössner Transporte und Erdbewegung St.Veit und LAP offen Pongau BFI

Aktuelle Position/Tätigkeit Mitarbeiterin Straßenerhaltung und Fahrerin des Brückeninspektionsgerätes, ASFINAG/Autobahnmeisterei Flachau

Warum hast du dich für diese Ausbildung entschieden?

Als junges Mädchen habe ich keine Ausbildung gemacht, sondern wollte gleich arbeiten und Geld verdienen. Ich war als Malerin und Produktionsmitarbeiterin tätig. Als ich 2015 aus heiterem Himmel den Arbeitsplatz verlor, habe ich mich nach anfänglichem Zögern entschlossen, doch noch einen Lehrabschluss zu machen. Und wenn ich schon nochmals zur Schule gehen sollte, dann wollte ich etwas lernen, das wirklich zu mir passt. Anfangs interessierte ich mich sehr für Veranstaltungstechnik. Durch das Praktikum beim Mozarteum und bei der ARGE Kultur bin ich draufgekommen, dass die Arbeitszeiten (immer mittags bis spätabends) nichts für mich sind.

Eigentlich haben mich so große Maschinen wie Laster, Bagger oder Lader immer schon fasziniert und als Jugendliche habe ich es auch schon mal in der Grube ausprobiert. Im FiT-Kurs hat es lange gedauert, aber dann hat es klack! gemacht: ich werde Kraftfahrerin von so richtig großen Dingern! Ich musste also die Führerscheine C und E machen und die C95 Prüfung für den Güterverkehr.

Was machst du in der Arbeit genau?

Jetzt bei der ASFINAG bin ich für die Straßenerhaltung zuständig, das heißt im Winter Schnee räumen und Salz streuen und das ganze Jahr über Erhaltungsarbeiten wie z. B. Rasen mähen, Bäume und Sträucher schneiden, beschädigte Tafeln reparieren, neu montieren und viele andere Arbeiten mehr. Und ich werde in Zukunft mit dem absolut größten Gerät fahren, dem BIG (Brückeninspektionsgerät), das ist ein 7-Achser mit 44 Tonnen! Einmal durfte ich schon fahren. Davon gibt es nur zwei in ganz Österreich. Das BIG dient dazu, die Brückenunterseiten auf ihre Sicherheit zu überprüfen, ein Gerät mit einem großen Korb, der ausgefahren wird, wo dann die Personen drinstehen, die Messungen durchführen. Das Fahrzeug und seine Teile zu bedienen ist Maßarbeit, weil man zu einem bestimmten Punkt an der Unterseite der Brücke hinkommen muss oder knapp an der Lärmschutzwand vorbei. Dafür muss man nervenstark und konzentriert sein und darf keine Angst haben, das passt genau zu mir. Und die Arbeit auf der Autobahn ist ja auch nicht ohne. Wir müssen bei Unfällen Sicherungsmaßnahmen durchführen und teilweise auch aufräumen, neue Baustellen einrichten, Tunnel und Einhausungen waschen usw.

Vorher bei meinem Ausbildungsbetrieb, bei der Firma Kössner, war ich viel mit einem Vierachskipper auf Baustellen unterwegs (Aushubfahren, Schotter und Steine transportieren usw.) Weiters bin ich auch mit den diversen Asphaltmulden gefahren. Asphaltierarbeiten auf Güterwegen genauso wie auf der Autobahn oder am Flughafen Salzburg waren da meine Arbeitsstätten. Dabei habe ich mir eine gute Fahrpraxis aneignen können und sehr viel gelernt.

Was waren die Reaktionen deines Umfeldes auf diesen Ausbildungsweg?

Mein Freund hat mich von Anfang an total unterstützt. Die Mutter hatte zunächst ein wenig Angst, aber letztlich haben es alle cool gefunden.

Was hat dir diese Ausbildung gebracht?

Mir geht es total gut. Ich fühle mich wohl bei allem, was ich tue, auch beim Müllklauben, weil ich merke, dass ich hier genau richtig bin. Ich habe mein Ding gemacht, bin stolz. Bei der ASFINAG bin ich jetzt sogar die erste Frau in dieser Position. Und mit der abgeschlossenen Ausbildung werde ich besser bezahlt, früher habe ich auch viel gearbeitet, wurde aber teilweise ausgenutzt und schlecht bezahlt.

Wie ist es, als Frau in dieser Branche zu arbeiten?

Also ich habe die Erfahrung gemacht, es ist so anders, es wird so auf dich geschaut, im positiven Sinn. Natürlich muss man manchmal sagen: bis hierher und nicht weiter. Es ist wichtig, von Anfang an Grenzen zu setzen, dann wird einem Respekt entgegengebracht. Man darf nicht zu „mädchenhaft“ sein. Aber das war ich ja nicht, schon eine Frau, aber ich habe mir z. B. auch eine Motorsäge zum Geburtstag gewünscht.

Und bei meinem Ausbildungsbetrieb war ich von Anfang an Springerin, das heißt, ich wurde nicht geschont. Aber man muss eine Herausforderung eben auch annehmen, es ist ja eine Chance, was zu lernen und zu beweisen.

Was war für dich die größte Herausforderung?

Die Suche nach einem Praktikumsbetrieb war nicht einfach. Ich habe einige Absagen bekommen. Bei der Firma Kössner haben sie zuerst auch gedacht, ich bewerbe mich fürs Büro. Aber der Chef war offen und wollte es mit mir probieren. In der Berufsschule war zunächst das Internat ein Horror für mich: Hausordnung, Zimmerkontrolle usw. Bis ich denen klar gemacht habe, ich bin erwachsen und freiwillig da, mich braucht ihr nicht zu kontrollieren.

Außerdem musste ich das Lernen lernen. Anfangs hatte ich alle Mappen vor mir liegen, es war so viel, ich habe alles durcheinander gebracht. Dann habe ich als Ältere mit den jungen Burschen gelernt. Um es zu erklären, musste ich System und Struktur reinbringen, das hat letztlich auch mir geholfen. Ich habe dann sehr gern gelernt und bin fast eine Streberin geworden.

Bei der LAP war ich sehr nervös, ich habe nichts mehr rausgebracht. Die Prüfer haben das gemerkt, kurz gewartet, mich beruhigt und dann habe ich alles gewusst.

Wer bzw. was hat dir geholfen, dein Ziel zu erreichen?

Allen voran mein Freund (und zukünftiger Ehemann ☺), er hat mich so unglaublich unterstützt. Dann ich selbst mit meiner Sturheit, ich wollte es schaffen. Und vor allem anfangs während der Orientierungsphase meine Trainerinnen Antonia und Anita in der Basisqualifizierung.

Was war dein größtes Erfolgserlebnis?

Als mir Herr Kössner – der beste Chef, den ich je gehabt habe – für die Fahrt zur Berufsschule einen funkelnagelneuen LKW anvertraut hat, mit dem ich dann dort in Mattighofen vorgefahren bin und den wir dann alle inspiziert haben. Wir hatten in der Schule nämlich nur einen schon etwas älteren LKW. In meinem Ausbildungsbetrieb habe ich sehr viel gelernt und hätte auch bleiben können. Aber als ich die Ausschreibung von der ASFINAG  sah, musste ich es einfach probieren. Und bin Herrn Kössner sehr dankbar, dass er mir nicht böse ist.

Der zweite große Erfolg war die Zusage meiner jetzigen Firma, der ASFINAG. Es ist eine tolle Firma, wo alles gut und genau geregelt ist und man viele Möglichkeiten hat. Und als ich vor kurzem als erste Frau in dieser Funktion sogar im Intranet vorgestellt wurde, hat mich das schon stolz gemacht, aber so viel Tamtam um meine Person will ich gar nicht.

Was möchtest du anderen FiT-Teilnehmerinnen mit auf den Weg geben?

Überlegt euch den Beruf gut, schaut, was wirklich zu euch passt, lasst nicht locker, gebt nicht auf. Man kann sogar ein Internat mit 15-Jährigen aushalten, es geht so schnell vorbei, nur ein bisschen kämpfen; es dauert nicht lang und dann kann man stolz sein, es geschafft zu haben.

Mit eigenen kleinen Kindern hätte ich es mir nicht zugetraut, das Internat in Oberösterreich und die langen Arbeitstage. Und finanziell ist es auch eng. Das muss man sich schon gut überlegen. Aber wenn man schon drin sitzt im Kurs, sollte man es unbedingt nutzen, man kann echt was machen.

Was ist dir sonst noch wichtig zu sagen?

Gut, dass es das FiT-Programm gibt. Die Trainerinnen stehen so hinter einem, wenn man es zulässt. DANKE.

 

Und was sagen die Betriebe?

Ausbildungsbetrieb, Herr Kössner:
„Wir hatten vorher noch keine Frau als LKW-Fahrerin ausgebildet, aber es hat sich so ergeben. Tanja hat als Person gut reingepasst und da haben wir es einfach probiert. Sie wurde gut aufgenommen, das lag auch an ihr. Und wir legen Wert auf gutes Betriebsklima. Natürlich muss so jemand gut Auto fahren und ein Gespür für so ein großes Fahrzeug haben. Es ist auch eine Verantwortung, so ein neuer LKW kostet ja 140.000 bis 230.000 Euro. Aber grundsätzlich können Frauen das genauso wie Männer.“

ASFINAG, Herr Kleewein
„Tanja ist bei der ASFINAG in ganz Österreich die erste Frau in der Straßenerhaltung und wir freuen uns sehr. Es passt wunderbar.“