Sonja K., Holztechnikerin

Alter bei Ausbildungsabschluss 32 Jahre
Region Flachgau, jetzt Oberösterreich/Innviertel

FiT Ausbildung verkürzte Lehre in 18 Monaten
Ausbildungsstätte/Firma Sägewerk im Flachgau

Aktuelle Position/Tätigkeit Holztechnikerin

Warum haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?

Ich bin sozusagen mit Holz und dem Sägewerk aufgewachsen und finde die Arbeit faszinierend: Es duftet nach Holz, wenn man reingeht. In einem kleinen Betrieb arbeitet man im Einklang mit der Natur, macht auch Forstarbeit, geht in den Wald und schaut das Holz an, wählt es aus. Ich war ja nach der Matura viel im Ausland, habe auf dem Schiff gearbeitet und viel von der Welt gesehen. Aber immer, wenn ich nach Hause kam, habe ich mit Freude im elterlichen Betrieb ausgeholfen. Und irgendwann kam der richtige Zeitpunkt, um wirklich wieder heimzukommen und das zu meinem Beruf zu machen. Mir war es ganz wichtig, was Praktisches zu machen und direkt mit anzupacken. Daher habe ich mich für die Lehre entschieden und nicht für die FH.

Was waren die Reaktionen Ihres Umfeldes auf diesen Ausbildungsweg?

Da das bei uns in der Familie liegt, waren alle begeistert. In der Berufsschule waren fast alle deutlich jünger als ich. Aber sie waren höflich und sind mir mit Respekt begegnet. Wir haben auch viel gelacht und es hat echt Spaß gemacht. Außerdem habe ich von den jüngeren auch gelernt, gelassener zu sein, meinen Perfektionismus etwas zu reduzieren, aber schon im richtigen Moment anzupacken.

Was hat Ihnen diese Ausbildung gebracht?

Ich habe mir viel Hintergrundwissen angeeignet, alles von der Pieke auf gelernt. Das Interesse war vorhanden, jetzt habe ich das Fundament dazu. Durch die Berufsschule wurden die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Betrieben in der Branche deutlich und es hat sich ein soziales Netzwerk entwickelt, das ich in Zukunft nutzen werde. Für den eigenen Betrieb haben sich neue Perspektiven ergeben. Und bei mir selbst sind das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl gewachsen. Bei der Prüfung hat man mir sogar eine Stelle angeboten. Aber ich habe abgelehnt, weil ich ja mit meinem Bruder den elterlichen Betrieb übernehmen werde.

Wie ist es, als Frau in dieser Branche zu arbeiten?

Früher war es körperlich eine sehr harte Arbeit, mit Maschinen geht heute manches leichter und die körperlich ganz schweren Sachen werden noch immer eher kräftigen Männern überlassen. Aber in größeren Betrieben mit mehr Technik werden gerne Frauen eingesetzt, vor allem in der Qualitätskontrolle. Man muss natürlich wetterfest sein, weil man auch draußen arbeitet. In der Berufsschule waren von 18 Leuten nur 2 oder 3 Frauen. Man stößt schon auf viele Vorurteile. Aber wenn man diese überwunden hat, bekommt man als Frau, die mit der Motorsäge umgehen kann, höchste Anerkennung. 

Was war für Sie die größte Herausforderung?

Ich habe mich aufgrund der Rahmenbedingungen in meinem Ausbildungsbetrieb (Anm.: zu wenig Personal) eine Zeit lang total überfordert, sowohl körperlich als auch psychisch. Und in dieser Situation mich endlich zu entscheiden, auf mich und meine Bedürfnisse zu hören, fiel mir schwer.

Wer bzw. was hat Ihnen geholfen, Ihr Ziel zu erreichen?

Meine Familie, mein Partner, aber auch das AMS und meine Beraterin von Frau & Arbeit – ich hatte ein sehr unterstützendes Umfeld. Und natürlich die Freude und Liebe zu dieser Arbeit, das Interesse am Holz, die Möglichkeit, mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich habe immer schon Wurzeln und Steine mit nach Hause genommen und damit Räume gestaltet. Jetzt freue ich mich darauf, ein eigenes Haus zu bauen, mit ganz speziellen Materialien wie Holz, Stroh und Lehm.

Was war Ihr größtes Erfolgserlebnis?

Alleine mit der Bandsäge schneiden zu können. Es war gerade niemand da, der es konnte. Und da habe ich es einfach gemacht. Toll war in dieser Situation auch das Vertrauen der anderen: mach es einfach, es geht ja.

Was möchten Sie anderen FiT-Teilnehmerinnen aus Ihrem Erfahrungsschatz mit auf den Weg geben?

Habt keine Angst vor etwas, das ihr noch nicht kennt. Wenn das Interesse da ist, probiert es einfach. Und lasst euch in schweren Zeiten nicht unterkriegen, redet mit anderen darüber und glaubt an euch selbst. Wenn dir etwas wichtig ist, musst du vielleicht mal den Weg oder den Plan ändern, aber nicht das Ziel.

Was ist Ihnen sonst noch wichtig zu sagen?

Nicht alles läuft immer planmäßig, aber es tun sich vielleicht neue Lösungen auf. Ich bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin, auch wenn es zwischendurch schwierig war.