Anna R., Hörgeräteakustikerin

Alter bei Ausbildungsabschluss 50 Jahre
Region Tennengau

FiT Ausbildung Verkürzte Lehre über AQUA
Ausbildungsstätte/Firma Hörgeräte Seifert und Wifi Innsbruck

Aktuelle Position/Tätigkeit Hörgeräteakustikerin, Filialleiterin

Warum haben Sie sich für diese Ausbildung entschieden?

Als meine Beraterin von Frau & Arbeit mir von diesem Beruf erzählte, war ich gleich interessiert. Es war kein so abstrakter Begriff: etwas Medizinisches gekoppelt mit Technik,  dem Kunden etwas speziell für ihn anpassen und damit glaubwürdig sein. In meiner früheren Tätigkeit im Seminar-Bereich musste ich mich auch in Menschen hineindenken. Das passte gut. Und in der Basisqualifizierung habe ich dann das Selbstvertrauen dazu bekommen. Die Tests in Mathematik, Englisch und Deutsch haben mir bestätigt: ich kann es mir zutrauen.

Was waren die Reaktionen Ihres Umfeldes auf diesen Ausbildungsweg?

Von der Familie her total motivierend. „Wir stehen hinter dir“. Mein Mann hat mir zu Hause einiges abgenommen, die Tochter hat mich psychologisch gepusht. Die Kinder waren überhaupt stolz: sie hatten gerade das Studium abgeschlossen und jetzt war die Mama Lehrling. Eine Freundin meinte: „Deinen Mut möchte ich haben.“

Was hat Ihnen diese Ausbildung gebracht?

Die Sicherheit, eine abgeschlossene Berufsausbildung zu haben. Das Selbstvertrauen, dass man was wagen darf, das am Anfang nicht überschaubar ist. Einen neuen Zusammenhalt in der Familie. Und eine interessante Arbeit, für die ich auch weiterhin lernen will, um auf dem neuesten Stand zu sein.

Was war für Sie die größte Herausforderung?

Elektrotechnik! Ich musste die Zusammenhänge verstehen. Aber durch das viele Lernen mit meinen Kindern und meinem Vorgesetzten wurde es immer besser und interessanter. Außerdem fiel es mir schwer, meine Familie jeweils für zwei Wochen zu verlassen, wenn ich nach Innsbruck musste. Aber auch das wurde mit jedem Kurs besser. Vier Mal zwei Wochen, ein ganzer Koffer voller Lernmaterial und täglich von 7.30 bis 19.00 Uhr Unterricht. Das war schon hart. Außerdem habe ich gemeint, ich bin die Schwächste im Kurs. Ich hab immer viel gefragt und mich auch geschämt für mein Nichtwissen. Erst nachher habe ich erfahren, dass die anderen froh darüber waren, weil sie es auch nicht gewusst hätten.

Wer bzw. was hat Ihnen geholfen, Ihr Ziel zu erreichen?

Die Familie, mein Ausbildner, meine Beraterin von Frau & Arbeit und die von der Implacementstiftung. Wie Felsen, an die man sich anklammern kann, damit man nicht ertrinkt. Und in der Firma die Aussicht auf eine eigene Filiale. Und meine Entschlossenheit von Anfang an: geht nicht gibt’s nicht. Ich habe die Unterlagen sogar in den Urlaub mitgenommen und gelernt. Aber dann auch wieder meinem Kopf Ruhe gegönnt.

Was war Ihr größtes Erfolgserlebnis?

Dass ich die Lehrabschlussprüfung geschafft habe, noch kurz vor meinem 50. Geburtstag! Obwohl mir am Anfang gesagt wurde, dass diese Prüfung auf das erste Mal fast nicht zu schaffen sei. Und dass mein Chef mir viel zugetraut hat: „Sie machen das schon“. Ich durfte mit einem Kollegen eine neue Filiale aufbauen, meine Ideen einbringen. Ich habe einiges durchgesetzt und auch schon im ersten Sommer alleine die Urlaubsvertretung übernommen.

Was möchten Sie anderen FiT-Teilnehmerinnen aus Ihrem Erfahrungsschatz mit auf den Weg geben?

Es muss reif werden. Jede sollte zuerst für sich selbst überlegen, was sie tun möchte, alle Infos sammeln. Schauen, welche Hilfe sie kriegen kann. Das Finanzielle überprüfen und sich aktiv auf die Suche nach einem Praktikumsplatz machen, eher persönlich zu den Betrieben hingehen als nur eine Bewerbung zu schicken. Und viel fragen, sich in die Arbeit hineindenken, sich passende Lerntechniken suchen. Lernen heißt dranbleiben, es ist keine Frage des Alters. Und manchmal auch locker sein. Zum Beispiel im Zug den Jungen zuhören, wie die vor einer Prüfung reden.

Was ist Ihnen sonst noch wichtig zu sagen?

Ein ganz großes Danke an alle, die mir geholfen haben, alleine schafft man es nicht.